Digitale Bildung

Im Zuge der Digitalisierung ist eine ganz neue Logik der Welt entstanden. Die Welt des 21. Jahrhunderts funktioniert nicht mehr linear, sondern vernetzt. Wie können und müssen Schulen diesem Wandel begegnen? Welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte, um Schüler:innen auf ein Leben in einer sich schnell wandelnden Welt vorzubereiten?
Im Zuge der Digitalisierung ist eine ganz neue Logik der Welt entstanden. Die Welt des 21. Jahrhunderts funktioniert nicht mehr linear, sondern vernetzt. Wie können und müssen Schulen diesem Wandel begegnen? Welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte, um Schüler:innen auf ein Leben in einer sich schnell wandelnden Welt vorzubereiten?

Digitalisierung und digitale Bildung zusammendenken

Nicht erst seit der Corona-Pandemie berichten die Pädagogischen Werkstätten im Netzwerk von Ein Quadratkilometer Bildung (km2 Bildung) von schwierigen Bedingungen für die Digitalisierung an Schulen. Der Digitalpakt, ein Milliarden-Investitionsprogramm des BMBF für die digitale Infrastruktur von Schulen, ist ein wichtiger erster Schritt. Für eine gelingende digitale Bildung braucht es aber Fortbildung und Kompetenzentwicklung in den Kollegien, damit die technologischen Neuerungen didaktisch sinnvoll in Lernsettings übersetzt werden können. Allzu schnell wird das interaktive Whiteboard als teure Kreidetafel verwendet. Tablets werden angeschafft und ausgeteilt, ohne ihre Verwendung geplant zu haben. Die Corona-Pandemie hat sehr klar zutage treten lassen, dass es große Entwicklungsbedarfe in der digitalen Bildung in Deutschland gibt.

Lokale Entwicklungen aufgreifen und qualifiziert begleiten

Ein Quadratkilometer Bildung begleitet die lokale Entwicklung von Digitalisierungsprozessen an den Netzwerkschulen bedarfsgerecht durch einen Digital Coach. Neben Fortbildung und Beratung entstehen Pilotvorhaben an Schulen, die sich dem Themenfeld digitale Bildung öffnen und selbst die Initiative ergreifen. Hierbei steht im Vordergrund, dass die Vorhaben von Beginn an durch Lehrkräfte aus dem Kollegium mitentwickelt und getragen werden. Lehrkräfte, Leitungskräfte und Digital Coach erarbeiten gemeinsam Formate für eine in den pädagogischen Alltag integrierte digitale Bildung. Dies kann zunächst auf Basis von Projektwochen geschehen, Ziel ist aber die Implementierung in den Regelunterricht.

Die Entwicklungsarbeit an den Netzwerkschulen stützt sich auf vier Arbeitshypothesen:

  • Digitalisierung heißt nicht, dass gute Methoden hinfällig sind.

Gute Methoden können durch Digitalität ergänzt werden. Mit digitalen Lesepatenschaften werden zum Beispiel Distanzen überwunden.

  • Die Schule von heute ist didaktisch und pädagogisch bereit für die Schule von morgen.

Es braucht aber methodische Unterstützung beim digitalen Transfer. Dies sind Prozesse, die mehrheitlich nicht technologischer Natur sind, sondern kompetenzorientiert.

  • Digitale Bildung kann überall gelingen.

Auch Schulen in von Armut betroffenen Sozialräumen können gute Konzepte entwickeln und umsetzen. Diese Konzepte sind transferierbar und lassen sich auf andere staatliche Schulen anwenden.

  • Die digitale Transformation braucht weniger „einfach machen“, sondern mehr Strategie.

Obwohl die Corona-Pandemie Schulen und Bildungspolitik zur Digitalisierung gezwungen hat, scheint derzeit nur wenig Fortschritt feststellbar. Aus dem Notfallmodus muss sukzessive eine digitale Strategie entwickelt werden.

Agile Schulentwicklung als Pilotvorhaben im Netzwerk Ein Quadratkilometer Bildung

An der Regionalen Schule „Am Lindetal“, einer Netzwerkschule von km2 Bildung Neubrandenburg, entwickelt der Digital Coach gemeinsam mit der Pädagogischen Werkstatt und engagierten Lehrkräften ein Pilotprojekt zum agilen Lernen. Methoden wie Kanban, Design Thinking und Scrum sollen im projektbasierten Unterricht Anwendung finden. Das Projekt wird im Rahmen einer Workshopreihe mit Lehrkräften der Schule entwickelt. In den Workshops wenden die Lehrkräfte selbst einzelne Tools und Module aus dem agilen Methodenkoffer an und erfahren so, wie zum Beispiel der Design-Thinking-Ansatz in ihren pädagogischen Alltag passen kann. Im Vordergrund stehen jederzeit die Lernenden – ob Lehrkräfte oder Schüler:innen.

Ein digitaler Lernort entsteht

Neben der methodologischen Begleitung soll auch ein physischer Ort entstehen, der experimentelles Lernen nach der Logik des 21. Jahrhunderts erlaubt: ein Makerspace. Der Makerspace ist dabei nicht einfach ein Raum voller eindrucksvoller Werkzeuge. Hier sollen Lehrkräfte gemeinsam mit Schüler:innen neben digitalen Tools auch Methoden wie produktorientiertes Arbeiten in selbstorganisierten Teams erproben können. Nach der Entwicklungs- und Erprobungsphase soll das Projekt zu einem transferfähigen Konzept entwickelt werden. Experimentelles Lernen und Making werden so Bestandteil der Bildungsbiografie der Kinder und Jugendlichen in der Neubrandenburger Oststadt.