Gemeinsam Natur erkunden

Im Interview: Cathrin Artmann über das naturpädagogische Projekt „Gemeinsam Draußen“ in km2 Bildung Herten
25.02.2026

Gemeinschaftliches Naturerleben in Ein Quadratkilometer Bildung Herten: 12 Klassen der Jahrgänge 1 bis 4 der Hertener Ludgerusschule nahmen im vergangenen Jahr beim Projekt „Gemeinsam Draußen“ an naturpädagogisch gestalteten Einheiten im BUND-NaturErlebnisGarten Herten teil. Jede Klasse besuchte den Lernort einmal und durchlief ein vorbereitetes Programm, das spielerische Naturerfahrungen, kooperative Lernformen, Bewegungsangebote sowie Impulse zur Sprachbildung miteinander verband. Die Kinder entdeckten Pflanzen und Tiere, führten kleine Naturbeobachtungen durch, setzten kreative Werkaufgaben mit Naturmaterialien um und tauschten sich gemeinsam über ihre Erlebnisse aus. Unterstützt wurden sie dabei von erfahrenen Naturpädagog:innen, die eng mit den Lehrkräften und dem weiteren pädagogischen Personal der Schule zusammenwirkten.

Foto: AdobeStock

Cathrin Artmann, die das Projekt im vergangenen Jahr als damalige Koordination der Ludgerusschule für km2 Bildung Herten begleitete, blickt zurück.

Cathrin, was war die Ausgangslage für euer Projekt?

Die Ludgerusschule ist durch eine hohe Heterogenität in der Schulgemeinschaft geprägt: Sprachbarrieren im Schulalltag, Herausforderungen inklusiver Bildungsarbeit, aber auch die prekäre Lebenslagen vieler Familien erschweren oft die Teilhabe am Unterricht und die gesellschaftliche Integration. Vielen der Kinder fehlt es außerdem an naturnahen Erfahrungsräumen im direkten Lebensumfeld.

Mit „Gemeinsam Draußen“ habt ihr solche naturnahe Erlebnisräume geschaffen. Auf welche Projekterfolge seid ihr besonders stolz?

Besonders erfolgreich verlief die Förderung inklusiver Lernprozesse. Die gemeinsame Arbeit im Freien bot natürliche Anlässe für Kooperation, Rücksichtnahme und gegenseitige Unterstützung. Viele Kinder, die im regulären Unterricht eher zurückhaltend auftreten, beteiligten sich im Naturraum sichtbar aktiver und selbstbewusster. Durch gruppenorientierte Aufgaben – etwa beim Erkunden eines kleinen Teiches oder beim Beobachten von Insekten – konnten vielfältige Stärken sichtbar werden. Die Lehrkräfte beobachteten, dass viele der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf von den offenen, handlungsorientierten Situationen profitieren konnten.

Auch die Entwicklung von Sozialraumkompetenz zeigte deutliche Erfolge. Viele der neuen Kinder der Ludgerusschule kannten den Naturerlebnisgarten nur vom Hörensagen oder gar nicht. Durch die aktiven Erkundungen wurde der Ort für sie zu einem interessanten Raum, den sie als Teil ihres unmittelbaren Lebensumfelds neu wahrnahmen. Sie entwickelten ein Gefühl von Zugehörigkeit und Verantwortlichkeit, indem sie Pflanzen pflegten, achtsam mit dem Gelände umgingen und ökologische Zusammenhänge vor Ort beobachteten. Dieses Erleben stärkte die Selbstwirksamkeit und erweiterte ihr Bewusstsein für Natur als Teil ihres Alltags.

Euer Projekt verbindet Naturerfahrung mit ganzheitlicher Förderung – sozial, emotional, kognitiv und sprachlich. Wie blickst du auf den Aspekt der Sprachförderung?

Die Natur als Lernumfeld bot viele spontane Sprechanlässe, aber es wurde schnell deutlich, dass ein vertiefter sprachpädagogischer Fokus zusätzliche Zeit und methodische Ressourcen erfordern würde. Für eine systematische Stärkung der Mehrsprachigkeit bräuchte es intensivere und wiederkehrende Angebote, die sich über mehrere Termine erstrecken und gezielt sprachsensibel aufgebaut sind – ein Baustein, der in zukünftigen Projektphasen intensiver berücksichtigt werden sollte.

Dieses Projekt wurde gefördert durch den Fonds „Wir. Gemeinsam. Hier.“ der Stiftung Ein Quadratkilometer Bildung. Im Rahmen dieses Fonds erhalten Programmorte von km2 Bildung eine zusätzliche Finanzierungsmöglichkeit für Kleinprojekte im Bereich Migration, Flucht und Integration.