Seit einem Jahr gibt Saadet Kaya Asikoglu ehrenamtlich Nachhilfe an der Grundschule Markomannenstraße in Wuppertal. Die studierte Islamwissenschaftlerin, die derzeit ein Masterstudium in Soziologie absolviert, ist Teilnehmerin der Fortbildungsreihe „Ehrenamt im Quadrat“. Wir wollten wissen:
Saadet, wie sieht dein Alltag als Ehrenamtliche in Wuppertal aus?
Jeder Tag mit Kindern ist auf seine eigene Weise herausfordernd und zugleich bereichernd. Kinder sind unberechenbar und bringen immer neue Dynamik in den Alltag. Besonders in unserer Gruppe, in der viele Kinder eine Migrationsgeschichte haben, entstehen täglich neue Situationen, die das Miteinander bunt und lebendig machen. Diese Vielfalt ist wie eine bunte Farbpalette – sie fordert uns, eröffnet aber auch neue Perspektiven.
Manchmal ist das gegenseitige Verstehen nicht einfach, da sprachliche und kulturelle Unterschiede zu Missverständnissen führen können. Doch gerade diese Momente sind besonders lehrreich. Wir lernen, Brücken zu bauen – sprachlich, emotional und menschlich. Im Alltag versuchen wir, auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Durch gemeinsames Spielen, Erzählen und kreative Aktivitäten schaffen wir Räume, in denen Kinder sich ausdrücken können. Als Religionslehrerin und Soziologin ist es für mich spannend zu sehen, wie Kinder ihre Welt deuten. Diese Erfahrungen sind nicht nur beruflich, sondern auch persönlich bereichernd – denn von Kindern kann man jeden Tag Neues lernen.

Saadet Kaya Asikoglu, Foto: GONERA PHOTOS
Welche Erwartungen hast du mit dem Projekt „Ehrenamt im Quadrat“ verbunden?
Zu Beginn des Projekts „Ehrenamt im Quadrat“ war vieles für mich neu. Viele Begriffe und Konzepte kannte ich zuvor nicht, und ich war gespannt, welche Impulse die Fortbildung mit sich bringen würde. Meine Hauptmotivation war, besser zu verstehen, wie ich Kinder in ihrer Vielfalt stärken und begleiten kann. Ich erwartete, neue Perspektiven auf Bildungsprozesse zu gewinnen – besonders im Hinblick auf Kinder mit unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Hintergründen. Ich hoffte, dass das Projekt mir Wege aufzeigen würde, wie man eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern aufbauen kann, um sie individuell zu fördern. Diese Erwartungen haben sich erfüllt: Ich habe erkannt, dass Bildung weit über reines Wissen hinausgeht. Sie entsteht in Begegnungen, in Sprache und im gegenseitigen Verstehen. Das Projekt hat mir geholfen, meine Arbeit reflektierter und bewusster zu gestalten – und Vielfalt als große Bereicherung zu sehen.
Welche Impulse aus der Fortbildung nimmst du in deinen Bildungsalltag künftig mit?
Aus der Fortbildung nehme ich viele wertvolle Impulse mit. Besonders deutlich wurde mir, dass jedes Kind seine eigene Geschichte und Perspektive mitbringt – und dass Bildung nur gelingen kann, wenn wir diese Vielfalt anerkennen. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, in Beziehung zu treten und wirklich zuzuhören. Bildung entsteht nicht nur durch Vermittlung, sondern vor allem durch Vertrauen, Sprache und gegenseitiges Verstehen. Das erfordert Geduld, Achtsamkeit und Sensibilität – vor allem im Umgang mit Kindern, die aus verschiedenen kulturellen oder sprachlichen Kontexten kommen. Künftig möchte ich bewusster auf diese Unterschiede eingehen, Missverständnisse als Lernchancen sehen und jedes Kind in seiner Einzigartigkeit ernst nehmen. Die Fortbildung hat mir gezeigt, dass Bildung immer ein gemeinsamer Prozess ist – einer, in dem wir alle miteinander wachsen.
„Ehrenamt im Quadrat“ ist ein Projekt der Stiftung Ein Quadratkilometer Bildung. Es wird gefördert durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) im Rahmen des Förderprogramms „transform_D“.
